Agenturberatung ohne Rat?

Die Agen­tur­be­ra­ter Hans-Gerhard Kühn, Achim Litschko und Tho­mas Meichle haben eine Stu­die vor­ge­legt, die Auf­schluss über die Arbeit und Posi­tio­nie­rung von Unter­neh­mera­gen­tu­ren in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che geben soll. Sie ist beti­telt mit: “Unter­neh­mera­gen­tu­ren. Stu­die über die Kunst, sei­nen eige­nen Weg zu gehen.” Eine sta­tis­ti­sche Reprä­sen­ta­ti­vi­tät ist nicht gege­ben. Die Ergeb­nisse basie­ren auf 33 Inter­views mit Agen­turin­ha­bern aus dem Jahr 2009. Die Stu­die ist aus qua­li­ta­ti­ver Sicht den­noch inter­es­sant, weil auf die typi­schen Pro­bleme inner­halb von Agen­tu­ren auf­merk­sam gemacht wird. Nicht weni­ger inter­es­sant ist, dass der abschlie­ßende Rat diese Sach­ver­halte kaum und dann noch wider­sprüch­lich tangiert.

Zunächst wird deut­lich, dass ein Markt­er­folg von Unter­neh­mera­gen­tu­ren unab­hän­gig von Fak­to­ren wie Füh­rungs­sti­len (patria­cha­lisch oder koope­ra­tiv), Aus­rich­tun­gen (uni­ver­sal oder spe­zia­li­siert), Arbeits­sti­len (pro­zess­ori­en­tiert oder auf Impro­vi­sa­tion beru­hend) und der Frage nach einem Ran­king ist. Tat­säch­lich ste­hen die Kun­den­be­zie­hun­gen im Mit­tel­punkt, aus Sicht der Agen­tu­ren als auch der Kun­den. Interne Pro­bleme kön­nen aber ent­ste­hen, wenn Unklar­heit über den Füh­rungs­stil herrscht: Rela­tiv viele Inha­ber geben vor, einen koope­ra­ti­ven Stil zu haben, beach­tet man jedoch die kon­kre­ten Ver­hal­tens­wei­sen, wür­den mehr­heit­lich Anwei­sun­gen erfol­gen, seien den Mit­ar­bei­tern enge Rah­men gesetzt und Ent­schei­dun­gen würde man nie­man­dem über­las­sen. Inner­halb der ent­wor­fe­nen Typo­lo­gie ‘Allein­herr­scher’, ‘Team­player’ und ‘Suchen­der’ fal­len diese Inha­ber bzw. Geschäfts­füh­rer offen­bar in die letzte Kate­go­rie. Ein ‘Allein­herr­scher’, der vor­gibt ein ‘Team­player’ zu sein, löst bei sei­nen Mit­ar­bei­tern Irri­ta­tio­nen aus und unter­gräbt die Moti­va­tion und das Enga­ge­ment. Die­ser blinde Fleck inner­halb der Füh­rung von Unter­neh­mera­gen­tu­ren fin­det in der Stu­die lei­der kaum eine wei­tere Berück­sich­tung, nur als all­ge­meine Anspie­lung, sich sel­ber und das Unter­neh­men bes­ser zu erken­nen, im Fazit von Tho­mas Litschko.

Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen sehen die Inha­ber und Geschäfts­füh­rer über­wie­gend in der Markt­ver­än­de­rung, der Bedie­nung der neuen Medien. Erst danach kommt der Preis­druck, gefolgt von geeig­ne­ten Mit­ar­bei­tern zur Spra­che. Man kann den Ein­druck erhal­ten, als sei den berück­sich­tig­ten Agen­tu­ren noch nicht deut­lich genug, wie mit die­ser Markt­ver­än­de­rung umzu­ge­hen sei.

Als zen­tra­ler Fak­tor, der eine höhere Ren­ta­bi­li­tät ver­hin­dert, sind der Stu­die nach die Struk­tu­ren und Pro­zesse ange­ge­ben wor­den. Dies betrifft auch die kon­krete Zusam­men­ar­beit mit Kun­den. Würde man die anfal­len­den Über­stun­den der eige­nen Mit­ar­bei­ter bezah­len müs­sen, stie­gen die Per­so­nal­kos­ten um bis zu 30%. Die Frage der Bera­ter, “Spricht man in einer guten Bezie­hung nicht gerne über Effi­zi­enz und Geld?”, im Kon­text über die Bezie­hungs­ori­en­tie­rung gestellt, klingt in die­sem Zusam­men­hang etwas anders, berührt die Wunde auf direkte Weise. Als ein Bei­spiel für die Kun­den­be­zie­hung sei fol­gende Anwort einer Agen­tur zitiert: “Es gibt genug Kun­den bei uns, die sagen, es ist bru­tal anstren­gend mit euch. Aber ihr seid die ein­zige Agen­tur, die uns wei­ter­bringt. Das ewige Nach­fra­gen, der Kampf ums Bes­sere. Aber auch der Wille, gemein­sam einen Weg zu fin­den.” Aus die­ser Beschrei­bung ließe sich viel­leicht ein Poten­tial her­aus­le­sen. Ein­ge­denk des Preis­drucks am Markt kann aber schwer­lich eine leichte Anwort gege­ben werden.

Die Fazite der Bera­ter fal­len unter­schied­lich, mit dif­fe­ren­ten Gewich­tun­gen aus. Die zen­tra­len ‘Knack­punkte’ wer­den aber kaum berührt. Kühns auf­mun­tern­der Zuruf, “Ein­fach eigen­wil­lig füh­ren”, ver­rät ledig­lich seine spe­zi­elle Fas­zi­na­tion und gibt ein Unter­schei­dungs­merk­mal frei, dass gegen­über Netz­wer­ka­gen­tu­ren besteht. Litsch­kos Rat, “weg vom Main­stream, hin zur eige­nen Per­sön­lich­keit” for­dert zu mehr Mut im Markt auf. Die­sen Kom­men­ta­ren gegen­über steht Meich­les Prag­ma­tis­mus, mit dem beson­ders etwaige Füh­rungs­pro­bleme und eine schwer zu bewäl­ti­gende Unter­neh­mer­nach­folge ein­be­zo­gen wer­den: “Lösen Sie die Arbeit und den Erfolg von ihrer Per­son.”
Fällt Meichle mit die­ser Bemer­kung sei­nen emo­tio­nal gestimm­ten Part­nern etwa nicht in den Rücken?




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