Die beiden Konzepte ‘Design für alle’ und ‘Universaldesign’ versprechen, das Leben der Menschen leichter machen zu können. In Aussicht gestellt wird, jedem Menschen, unabhängig von Ausbildung, Alter und etwaigen Behinderungen, einen Zugang zu Dienstleistungen und Produkten zu geben.
‘Design für alle’ wurde in Europa ausgebildet und beschreibt einen Rahmen, in dem auch Alternativen, zum Beispiel länderspezifische, gültig sind. Das ‘Universaldesign’ zielt hingegen auf die eine allgemeine Ausrichtung, ohne jedoch vorgeben zu können, wie diese konkret auszusehen hat. In beiden Richtungen wird ein prozesshafter Charakter der Idee betont.
‘Design für alle’
bezieht sich primär auf die einfache Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft. Das Konzept war zunächst politisch und sozial ausgerichtet. Besondere Beachtung findet inzwischen die Informationsgesellschaft. Ein wesentliches Kriterium ist die Barrierefreiheit, ein weiteres die Sicherheit von persönlichen Daten. Als Aufgabe wird gesehen, Normen zu entwickeln beziehungsweise international bestehende zu harmonisieren, zudem Unternehmen für das Konzept zu gewinnen. Längst hat sich die EU dieser Sache angenommen.
Über eine Barrierefreiheit und Datensicherheit hinaus, sind auch umfassendere gestalterische Bedürfnisse von Menschen zu berücksichtigen. Das ‘Europäische Institut Design für Alle in Deutschland e.V.’ sucht diese Brücke für mehr Lebensqualität zu bauen. Ein wichtiger Faktor, der zu handeln Anlass gäbe, sei der demographische Wandel. Zwei Kriterien werden in der Imagebroschüre des Instituts (http://www.design-fuer-alle.de/download/edad_image_broschuere.pdf) angeführt: “leichte Zugänglichkeit und bequeme Nutzbarkeit”. In den Entwicklungsprozess seien die Bedürfnisse der Endverbraucher einzubeziehen, sowohl bei der Analyse als auch bei der Gestaltung. Man hofft, dass Unternehmen über einen größer werdenden potentiellen Nutzerkreis auch wirtschaftliche Vorteile erzielen können. Das Spektrum reicht von der Architektur bzw. Innenarchitektur, dem Produktdesign, den Services bis zur Website. Die ökonomische Komponente scheint relativ neu zu sein: Das Institut, in dem auch Unternehmen Mitglied sind, wurde erst 2006 gegründet.
Das ‘Universaldesign’
ist konzeptionell sehr ähnlich. Ursprünglich beschreibt es ein Anliegen von Architekten, Ingenieuren und Designern an der North Carolina State University, Produkte so zu gestalten, dass so viele Menschen wie möglich sie nutzen können. Historisch werden gerne Rückbezüge auf die ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, auf die Entwicklung von Reabilitätstechniken und Standards zur barrierefreien Gestaltung von Gebäuden in den USA angeführt. Der umfassende Anspruch wurde aber erst 1980 formuliert und mündete im Center for Universal Design der Universität.
Die ökonomische Komponente war im ‘Universaldesign’ bereits von Anfang an berücksichtigt. Es ist jedoch über Jahrzehnte nicht gelungen, die Idee erfolgreich zu vermarkten. Im November 2009 fand an der Bauhaus Universität Weimar die hierzulande erste Expertenkonferenz für Universal Design statt. Resultat waren 12 Thesen, die eine Mitverantwortung für Menschen, Umwelt und Gesellschaft dokumentieren. Eventuell ist die Zeit inzwischen reif für solche, um Nachhaltigkeit bemühte Themen.
Eine Abgrenzung
der beiden Ausrichtungen scheint inzwischen kaum noch möglich zu sein. Vielleicht gelingt es, die historisch zwar anders gewachsenen, im Resultat jedoch nicht mehr unterscheidbaren allgemeinen Bestrebungen zu vereinen. Im Wege könnten lediglich noch persönliche Motive von Beteiligten stehen.
Einschränkend muss betont werden, dass sich beide Ausrichtungen nur auf Produkte für die Massen beziehen können. Produkte für sich ausdifferenzierende Zielgruppen sind nicht in jedem Fall mitbetroffen. Bisweilen kann sogar ein Anspruch von potentiellen Kunden auf besondere Komplexität bestehen: aus einem Special Interest heraus.
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