Der überwiegende Teil der Menschen, die Twitter nutzen, verbindet das Interesse an Technik, EDV und Medien. So lauten zumindest die Ergebnisse der Marktforschungsinstitute seit Jahren. Die Untersuchen sind allerdings darauf zugeschnitten, Ansätze für Unternehmen zu finden, um für Angebote und Produkte zu werben. Ob es auch Interessen gibt, die nicht durch die Branchen befriedigt werden können, bleibt dabei offen.
Twitter kann auch von sozialem und politischem Interesse sein. In Deutschland ist eine solche Nutzung noch relativ unterentwickelt. Zwar twittern einige deutsche Politiker, doch die verbreiteten Informationen lassen sich zumeist besser und unterhaltsamer über die Medien verfolgen. Die Auskünfte und Kommentare geben kaum Anlass dazu, Menschen einzubeziehen, sie zu binden. Zu twittern, ohne das soziale Potential zu nutzen, ist in einem solchen Zusammenhang verschenkte Zeit.
Weshalb sollte die Bevölkerung die Politik nicht auch in die eigenen Hände nehmen. Die Unzufriedenheit mit der offiziellen Politik ist beständig groß. Twitter erlaubt es, Menschen über weite Entfernungen miteinander zu verbinden und auf Internetseiten zu lotsen, die mehr Informationen als die 140 Zeichen enthalten. Es ist leicht, ‘mal eben’ zu gemeinsamen Aktionen aufzurufen, ob nun im lokalen, regionalen Umfeld oder darüberhinaus. Wichtig dabei ist, ein Gemeinschaftsgefühl zu ermöglichen, wie im ‘richtigen’ Leben auch.
Ein spannendes Beispiel eines bürgerschaftlichen Engagements, dass auch über Twitter betrieben wird, ist das Ruhrstadt Projekt (http://www.twitter.com/Ruhrstadt_Netz). Viele Bürger des Ruhpotts haben die provinzhafte Kirchturmpolitik der über 50 Städte und Gemeinden satt, die in diesem Jahr gemeinsam die Kulturhauptstadt bilden. Viele Zuständigkeiten verderben das Zusammenleben. Nicht einmal der Nahverkehr ist aufeinander abgestimmt. Dass die Politiker der vielen Städte und Gemeinden nichts von diesem Engagement und den Zielen wissen wollen, ist klar. Wer beraubt sich schon gerne des eigenen Jobs. Über Twitter sind in kurzer Zeit ca. 1100 Menschen zusammengekommen. Und Twitter ist nicht der einzige Medienkanal, über den das Projekt vorangetrieben wird.
Das Wort Beispiel habe ich mit Bedacht gewählt: Twitter als soziales und politisches Medium zu nutzen, steht jedem frei! Auch unabhängig davon, ob man sich zu den typischen Usern zählt, die von Marktforschungsinstituten aufgelistet werden.














