Wrangelstraße: Ein Kreuzberger Blogroman

Auto­ren­blogs gibt es viele, jedoch wenig Lite­ra­tur. Eine Aus­nahme ist der Roman Wran­gel­straße (http://wrangelstrasse-blog.de/) von Sebas­tian Kraus (Jg. 1962). Kein Tage­buch, keine per­sön­li­chen Erleb­nisse, in wel­chen Exzes­sen auch immer ent­stan­den.

Ein Roman, der den Kiez aus Sicht eines Ich Erzäh­lers ab der 80er beschreibt. Leser kön­nen das Ent­ste­hen des Werks ver­fol­gen, aber auch Feed­back geben, das in den Roman immer mal wie­der ein­fließt. Die Arbeit begann im Dezem­ber 2008. Inzwi­schen ist der Fort­gang soweit gedie­hen, dass man sich von der Spra­che, dem Auf­bau und von den beschrie­be­nen Gescheh­nis­sen einen Ein­druck machen kann.

Der Ich Erzäh­ler wird im Pro­log als jun­ger Stu­dent ein­ge­führt. Ein gro­ßer Teil sei­ner per­sön­li­chen Habe ist ihm wäh­rend der Auf­lö­sung sei­ner Wohn­ge­mein­schaft abhan­den gekom­men. Er war in die­ser Zeit auf Rei­sen gewe­sen. Nun haust er in sei­ner neuen Woh­nung wie in einem Zelt. Sol­che lako­ni­schen Beschrei­bun­gen machen den Charme des Romans aus.

Dem Autor liegt das Leben im Kiez am Her­zen. Die Men­schen, ihr All­tag inter­es­sie­ren ihn, auch im Zusam­men­hang mir polit­schen Ereig­nis­sen wie den Kreuz­ber­ger Mai Unru­hen und dem Mau­er­fall. Und er beschreibt Lie­bes­be­zie­hun­gen, lässt den Erzäh­ler rück­bli­ckend im Kapi­tel ‘Caro­lin’ formulieren:

“Ich erin­nere mich an die Abwe­sen­heit in ihrem Blick, an ein Stirn­run­zeln, eine Falte um ihren Mund, die mir ver­ra­ten, dass sie in Gedan­ken woan­ders ist, nicht in mei­ner Woh­nung, bei mir, wäh­rend wir uns beim Früh­stück gegen­über sitzen.”

Eine sol­che Pas­sage zeigt sprach­li­ches Talent und eine gute Beob­ach­tungs­gabe, wich­tige Vor­aus­set­zun­gen für eine schrift­stel­le­ri­sche Leis­tun­gen und die Bin­dung von Lesern.

Die Kapi­tel, die mit ‘Stim­men’ beti­telt sind, ent­hal­ten aus­ge­wähl­tes Feed­back zu den ver­gan­ge­nen Kapi­teln (kur­siv gesetzt). Unter­schied­li­che Kom­men­tare, in eine sinn­volle Reihe gesetzt und stel­len­weise mit Refle­xio­nen des Erzäh­lers — nicht des Autors — ver­se­hen. Diese Viel­schich­tig­keit der erzäh­len­den Figur, die neben der erzäh­le­ri­schen Arbeit auch ‘Stim­men’ hört, die es zu inte­grie­ren gilt, bie­tet einen wei­te­ren Reiz, sich mit dem Werk zu befassen.

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